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KI-Kenner Jonathan Kobold sprach im Spiegelsaal der Kolping Akademie
Sie ist allgegenwärtig und manche befürchten, sie sei allmächtig. An der „Künstlichen Intelligenz (KI) kommt keiner vorbei. Wie weit sie Fluch oder Segen ist, konnte man erfahren bei einem interessanten Vortrag, den der KI-Forscher Dr. Jonathan Kobold auf Einladung der Kolping Akademie am 22. Oktober im Spiegelsaal des Kolpinghauses hielt. Kobold, von Haus aus Physiker, beschäftigt sich seit mehr als elf Jahren mit dem Thema KI, und so gelang es ihm, sachlich abzuwägen, wo denn nun das Gute und auch das Gefährliche der Künstlichen Intelligenz liegt.
So vermag KI durch ein deutlich beschleunigtes Vorgehen menschliche Arbeit zu ersetzen, schafft aber andererseits auch neue Arbeitsplätze. Gerade der Dienstleistungssektor, wo es um die Begegnung von Menschen zu Mensch geht, kann von der KI nicht wirklich bedient werden. Hier wird es weiterhin wichtigen Bedarf und mithin auch neue Arbeitsplätze geben.
Hilfreich kann KI auch in der medizinischen Forschung sein. Doch da dämpfte Kobold allzu große Erwartungen. Denn um wirklich zu effizienten Ergebnissen zu kommen, ist die Bereitschaft von Patienten nötig, ihre Untersuchungsergebnisse KI zur Verfügung zu stellen, wozu viele nicht bereit seien.
Andererseits öffnet KI auch der Kriminalität viele neue Türen. So ist es beispielsweise möglich, Stimmen sehr genau zu imitieren, was dem berüchtigten Enkeltrick am Telefon zugute kommt, sodass das Opfer tatsächlich denkt, mit dem Enkel oder Verwandten in Not zu sprechen.
Zudem können durch KI sehr schnell „Fake-News“ verbreitet werden, gerade auch wenn Journalismus sich darauf verlässt und auf gründliche Recherche verzichtet. Insofern leidet das Vertrauen in die Medien und auch in den Staat durch den Einsatz künstlicher Intelligenz. Ambivalent ist das Verhältnis von KI zur menschlichen Kreativität. Die künstliche Intelligenz selbst ist nicht kreativ, sie setzt auf kreative Menschen, die sie füttern. Das kann aber auch dazu führen, dass KI für Verblödung sorgt, nimmt man sie unkritisch an. Weniger kreative Menschen laufen Gefahr, sich nur noch mehr berieseln zu lassen und so die Kreativität vollkommen zu verlieren. In diesem Zusammenhang wagte Kobold auch die Prognose, dass es vielleicht in 800 Jahren möglich ist, ein menschliches Gehirn künstlich herzustellen. Wirklich kreativ aber werden diese Gehirne dann aber nicht sein können.
Grundsätzlich braucht KI eine Regulierung, und Kobold warnte davor, dass die Moral auf der Strecke bleibt, etwa wenn gerade die Produzenten die Kontrolle haben.